Liebe Hennigsdorferinnen & Hennigsdorfer,
wenn wir abends die Nachrichten einschalten, blicken wir auf eine Welt, die an vielen Ecken aus den Fugen geraten scheint. Auch der anhaltende Krieg im Iran und die Schließung der Straße von Hormus sind in erster Linie eine furchtbare menschliche Tragödie, die schnellstmöglich enden muss.
Die Geschehnisse um die Straße von Hormus herum machen dabei beispielhaft deutlich, wie eng geopolitische Ereignisse und unsere Energieversorgung miteinander verknüpft sind. Denn auch wenn diese Ereignisse tausende Kilometer entfernt stattfinden, spüren wir die Schockwellen bis hierher nach Hennigsdorf – genauer gesagt bis in unsere Heizungskeller.

Christoph Schneider leitet die Stadtwerke Hennigsdorf – und teilt hier Gedanken aus dem Alltag eines modernen Versorgers: ehrlich, nah dran und mit Blick auf die Zukunftsthemen unserer Branche – von Versorgungssicherheit über Klimaschutz bis zur Digitalisierung.
Heute möchte ich Ihnen erklären, warum das so ist und wieso eine Krise von heute erst übermorgen auf Ihrer Rechnung landet.
Bevor wir einsteigen, eine kleine Vorwarnung: Dieser Beitrag beleuchtet ein wenig tiefer die Zusammenhänge der Energiemärkte. Denn um wirklich zu verstehen, wie sich die aktuelle Weltlage auf Ihren Fernwärmepreis auswirkt und wann genau das passiert, müssen wir uns einige Mechanismen im Hintergrund ansehen. Für all jene, die nicht täglich mit Energiebörsen zu tun haben, mag das zunächst etwas abstrakt klingen. Keine Sorge, ich verspreche Ihnen: Ich mache es so einfach wie möglich.
Achterbahnfahrt der Gaspreise
Die Weltmärkte reagieren auf geopolitische Krisen hochsensibel. Die Schließung der wichtigen Handelsroute am Persischen Golf und die Angriffe auf Produktionsanlagen für Öl und Gas haben zunächst die Ölpreise und mit etwas Verzögerung auch den Erdgaspreis rasant in die Höhe getrieben.
Gut nachvollziehen kann man die Preisentwicklung für Erdgas am sogenannten Dutch TTF Natural Gas Futures für das erste Quartal 2027. Die Preise sind im Tagesverlauf (Intraday-Handel) seit Februar von rund 30 Euro pro MWh in der Spitze auf bis zu 65 Euro pro MWh geklettert. Zwischenzeitlich hat sich der Preis im Intraday-Handel bei rund 48 Euro pro MWh eingependelt.
Zur Einordnung muss man hier aber ganz klar sagen: Auch wenn diese Preissprünge ganz erheblich sind, bewegen wir uns glücklicherweise noch nicht wieder in den Sphären der großen Energiekrise von 2022. Damals schoss der Preis für den „Dutch TTF Natural Gas Futures“ zeitweise auf deutlich über 200 Euro pro MWh nach oben.
Dennoch bedeutet der aktuelle Anstieg für uns als Stadtwerke ganz simpel: Der Brennstoffeinkauf wird teurer. Auch wenn wir unsere Erdgasmengen nicht über den Handelsplatz „TTF“ beziehen, sondern an der European Energy Exchange – Trading Hub Europe (EEX-THE), sind vergleichbare Preiskurven festzustellen. Damit unsere Wärmekundinnen und -kunden aber nicht von extremen Preisspitzen überrollt werden, kaufen wir nicht alles auf einmal. Wir erwerben an jedem Handelstag vom 1. Januar bis zum 30. September des Jahres 2026 eine gleichgroße Teilmenge des Gases, das wir für 2027 benötigen. So streuen wir das Risiko und glätten die heftigen Ausschläge dieser preislichen Achterbahnfahrt.
Transparente Preisbildung
Diese schrittweise Einkaufsstrategie ist keine Geheimsache. Sie ist transparent in unserer Preisgleitformel für die Fernwärmepreise abgebildet.
Maßgeblich ist dabei der Erdgasindex der Börsennotierungen. Konkret nutzen wir den „Index EEX-THE“ für das Produkt „THE Natural Gas Years Futures Calendar+1“ (Preis Frontjahr).
Um den im Fernwärmepreis enthaltenen Erdgaspreis zu bestimmen, wird das arithmetische Mittel aller Handelstage vom 1. Januar bis zum 30. September des Vorjahres gebildet. Das bedeutet: Jeder einzelne Handelstag, an dem die Krise andauert, fließt in diesen Durchschnitt ein. Das System ist fair und belohnt Weitsicht, zeigt aber eben auch, dass die geopolitische Lage von heute die Preise für morgen schreibt.
Darum spüren Sie es später
Ein Großteil unserer Wärmekundinnen und -kunden sind Mieterinnen und Mietern großer Wohnungsbaugesellschaften oder Genossenschaften. Die Mieter leisten monatliche Vorauszahlungen an Ihren Vermieter bevor – oft erst zum Ende des Folgejahres – die Spitzabrechnung folgt.
Durch unseren langfristigen Einkauf und die zeitversetzte Abrechnung des Vermieters entsteht ein deutlicher Zeitverzug:
Zwischen dem eigentlichen Krisenereignis im Nahen Osten und dem Moment, in dem Sie die finale Rechnung in den Händen halten, liegen also oft mehr als zwei Jahre.
Voraussicht statt Panik
Für das laufende Jahr 2026 können Sie sich entspannt zurücklehnen. Der am 1. Januar 2026 veröffentlichte Preis steht fest und wird von uns – auch nachträglich – nicht mehr angetastet. Etwaige Engpässe auf den Beschaffungsmärkten in diesem Jahr müssen wir als Ihr Energieversorger ausgleichen, sodass für Sie volle Kostensicherheit besteht.
Für 2027 sollten Sie jedoch, ähnlich wie wir es schon in der vergangenen Energiekrise geraten haben, Ihre monatlichen Vorauszahlungen rechtzeitig beim Vermieter anpassen lassen. So vermeiden Sie böse Überraschungen bei der Abrechnung im Jahr 2028.
Übrigens: Auf dem Strommarkt sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. Dort werden Kosten deutlich schneller weitergegeben, denn die Marktmechanismen funktionieren anders. Wie genau, schauen wir uns in einem der nächsten Beiträge an.
Bis dahin, behalten Sie alles auf dem Schirm!
Ihr Christoph Schneider
Geschäftsführer Stadtwerke Hennigsdorf
Energie von hier und Marktgeflüster – unsere Kolumne bringt’s auf den Schirm.