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Auf dem Schirm:

Die Mathematik der Schneeschaufel. Zwischen Kosten, Kapriolen und Können.

Liebe Hennigsdorferinnen & Hennigsdorfer,

neulich wurde ich bei einer Familienfeier gefragt, warum denn vor der eigenen Haustür noch nicht geräumt sei, man spare wohl am Personal. Mein Gegenüber meinte: „Wenn man nicht alles gleichzeitig schafft, braucht man eben mehr Leute!“ Das klingt im ersten Moment logisch, ist aber zu kurz gedacht.

Unser Stadtservice hat fast 50 engagierte Köpfe im Außendienst, die im Ernstfall bis zu 16 Stunden täglich im Einsatz sind. Würden wir diese Zahl verdoppeln, um jede Ecke Hennigsdorfs simultan zu räumen, stellt sich die entscheidende Frage: Was machen diese Mitarbeitenden ab März, wenn die Sonne lacht? Effizienz bedeutet, Ressourcen so zu planen, dass sie das ganze Jahr über sinnvoll eingesetzt werden können, statt für drei Tage Extremwetter einen gigantischen Apparat vorzuhalten. Und auch wenn wir sehr gerne kommunaler Arbeitgeber sind, reden wir immer noch über Mittel, die aus der öffentlichen Hand bezahlt werden müssen.

Portrait Christoph Schneider

Über den Autor

Christoph Schneider leitet die Stadtwerke Hennigsdorf – und teilt hier Gedanken aus dem Alltag eines modernen Versorgers: ehrlich, nah dran und mit Blick auf die Zukunftsthemen unserer Branche – von Versorgungssicherheit über Klimaschutz bis zur Digitalisierung.

Poker mit dem Wetterfrosch
Hinter jedem Einsatz steckt kein Würfelspiel, sondern eine hochprofessionelle Betrachtung. Unsere Teams werden von Wetterdiensten begleitet, die uns präzise Daten liefern, denn am Ende geht es um bares Geld. Ein einziger unnötiger Ausrückbefehl der gesamten Flotte kann mehrere tausend Euro kosten – Geld, das letztlich aus den Taschen der Gemeinschaft kommt. Um diesen Spagat zwischen Sicherheit und Wirtschaftlichkeit zu meistern, treffen Menschen Entscheidungen mit dem nötigen „Puffer“, oft tief in der Nacht ab 3 Uhr morgens. Dennoch ist das Wetter kein Computersystem, das man einfach „programmieren“ kann.

Wenn sich das Wetter nicht mehr an Mittelwerte hält
Die Planung wird durch die veränderte Klimarealität insgesamt nicht einfacher. Bundesweite Auswertungen zeigen deutlich, dass Extremwetterereignisse zunehmen und Verläufe unberechenbarer werden: Winter mit kaum einer Flocke stehen immer häufiger neben kurzen, intensiven Kälte- oder Schneeperioden. Auch das Jahr 2025 war deutschlandweit von solchen Wetterextremen geprägt und stellt viele Bereiche der Daseinsvorsorge vor neue planerische Herausforderungen. Diese „Kapriolen“ führen schnell zum Eindruck von mangelndem Personal, sind aber in Wahrheit Ausdruck einer Natur, die sich immer weniger an historische Mittelwerte hält.

Ein Appell für Verständnis und Miteinander
Unser Stadtservice kümmert sich um rund 76 Kilometer Straßen und 80 Kilometer Gehwege. Das ist eine gewaltige Strecke, die man nur „Stück für Stück“ abarbeiten kann. Wir bitten daher um Ihr Verständnis für die Kolleginnen und Kollegen, die alles geben, während die meisten noch schlafen. Verständnis dafür, dass man physisch nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann und für die wirtschaftliche Notwendigkeit, Ressourcen klug einzusetzen.

Wenn Sie morgens um 4 Uhr bei einer Unwetterwarnung das Fahrrad nehmen, ist das sportlich – aber erwarten Sie bitte nicht, dass genau dieser Meter Radweg in diesem Moment schon spiegelglatt-frei ist. Lassen Sie uns mit Respekt und Vorsicht gemeinsam durch den Winter kommen.

Trotz aller Herausforderungen ist es doch schön, dass wir in Deutschland meist noch alle vier Jahreszeiten erleben – mit frostigen Morgen, nasskalten Übergangstagen und eben auch diesen ruhigen, weißen Schneemomenten, die den Alltag kurz entschleunigen.  Es tut gut, zwischendurch einen Gang herunterzuschalten, den Schnee zu genießen – ob allein auf einem morgendlichen Spaziergang oder mit Kindern beim ersten Schneemann des Jahres. Und auch wenn die Weihnachtszeit zum Entschleunigen schon vorbei ist, sind gerade die ersten Sonnenstrahlen im Januar und Februar erstaunlich kraftgebend und erinnern daran, dass nach jedem Winter ein neuer Frühling kommt. Manchmal hilft es, im wahrsten Sinne des Wortes einen Gang zurückzuschalten – auch wenn es im hektischen Alltag schwerfällt.

Bis zum nächsten Mal – und bleiben Sie uns gewogen!

Ihr Christoph Schneider
Geschäftsführer Stadtwerke Hennigsdorf
Energie von hier und Marktgeflüster – unsere Kolumne bringt’s auf den Schirm.

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