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Auf dem Schirm:

Rückwärtsgang in Brüssel: Warum Planungssicherheit entscheidend ist

Liebe Hennigsdorferinnen & Hennigsdorfer,

haben Sie schon einmal bei einem Spiel mitgemacht, bei dem der Schiedsrichter mitten in der Partie die Regeln ändert – und zwar genau in dem Moment, in dem Sie sich durch faires Spiel und harte Arbeit einen Vorsprung erarbeitet haben? Genau das passiert gerade auf der großen Bühne in Brüssel – mit massiven Auswirkungen auf das, was wir in Energiewirtschaft und Industrie Planungssicherheit nennen.

Portrait Christoph Schneider

Über den Autor

Christoph Schneider leitet die Stadtwerke Hennigsdorf – und teilt hier Gedanken aus dem Alltag eines modernen Versorgers: ehrlich, nah dran und mit Blick auf die Zukunftsthemen unserer Branche – von Versorgungssicherheit über Klimaschutz bis zur Digitalisierung.

Eigentlich war die Sache klar: Wer das Klima mit CO2-Emissionen schädigt, muss zahlen. Wer in saubere Technologien investiert, wird belohnt. Ein marktwirtschaftliches Modell, das wir als kommunale Stadtwerke schätzen, weil es logisch, berechenbar und fair ist. Doch nun hat die Europäische Union den Rückwärtsgang eingelegt.

Das „Geschenk“ aus Brüssel und der Börsen-Schock
Eigentlich sollten die kostenlosen Verschmutzungsrechte – eine Art Freifahrtschein für Unternehmen mit hohen Emissionen – schrittweise abgeschafft werden. Doch plötzlich gibt es einen Vorstoß, diese Gratis-Zertifikate doch noch viel länger auszugeben. Man möchte die Industrie schützen, erreicht aber das Gegenteil: Die Börse hat sofort reagiert.

Der CO2-Preis (EUA) ist Anfang Februar 2026 regelrecht eingebrochen und notierte zeitweise nur noch bei rund 71 Euro pro Tonne – nur wenige Tage vorher lag er noch bei rund 90 Euro. Für uns als Energieversorger und für die Industrie ist das ein fatales Signal. Wenn die Verschmutzung plötzlich wieder billiger wird, fehlt der Anreiz, in teure, aber saubere Technik zu investieren. Es entsteht eine gefährliche „Scheinsicherheit“ für alle, die noch an fossilen Brennstoffen hängen. Auch wir als Stadtwerk treffen Investitionsentscheidungen mit einem Horizont von 15 oder 20 Jahren.

Warum die Musterschüler jetzt die Dummen sind
Nehmen wir ein Beispiel, das ich an der Börse genau beobachte: Der Baustoffkonzern Heidelberg Materials investiert Milliarden in die CO2-Abscheidung (CCS) und klimafreundlichere Zementproduktion – in der Hoffnung, dass sich diese Investitionen bei einem dauerhaft hohen CO2-Preis auszahlen. Immerhin geht es um ein Unternehmen mit über 50.000 Mitarbeitenden.

Statt Vorreiter zu belohnen, werden sie durch die politische Beliebigkeit regelrecht bestraft. Das ist, als würde man im Marathon dem Ersten kurz vor dem Ziel die Laufschuhe wegnehmen, damit die anderen wieder aufschließen können.

Klimageld: Wo bleibt die soziale Ausgewogenheit?
Wir wissen alle: Ein hoher CO2-Preis belastet den Geldbeutel – vor allem bei denen, die ohnehin jeden Cent zweimal umdrehen müssen. Doch genau dafür gibt es eine Lösung, die Wissenschaft und Wirtschaft gleichermaßen seit Jahren empfehlen: das sogenannte Klimageld.

Gemeint ist die Rückverteilung der staatlichen Einnahmen aus der CO2-Bepreisung pro Kopf an alle Bürgerinnen und Bürger. Die Logik ist bestechend einfach: Wer mehr CO2 verursacht, zahlt mehr ein. Wer weniger verbraucht, wird unter dem Strich entlastet.

Besserverdienende konsumieren meist mehr CO2 – etwa durch größere Autos, mehr Flugreisen oder größere Wohnflächen. Wenn die Einnahmen pro Kopf zurückgezahlt werden, profitieren insbesondere Haushalte mit niedrigerem Einkommen.

Das wäre sozial gerecht und würde die Akzeptanz für wirksamen Klimaschutz deutlich stärken. Doch statt dieses faire System 2026 endlich umzusetzen, wird wieder einmal gezögert. Entscheidend ist nicht die Höhe des CO2-Preises, sondern die Verlässlichkeit des politischen Rahmens.


Vertrauen ist die wichtigste Energiequelle einer funktionierenden Energiewende
Als Geschäftsführer eines Stadtwerks sage ich Ihnen: Wir können vieles managen – schwankende Energiepreise, technologische Umbrüche und den Umbau unserer Netze. Was wir nicht managen können, ist politische Unzuverlässigkeit.

Investitionen in Energieinfrastruktur laufen über Jahrzehnte. Sie brauchen stabile Rahmenbedingungen und klare Signale. Wenn die Politik heute Hü und morgen Hott sagt, verlieren nicht nur die Konzerne an der Börse das Vertrauen, sondern auch wir hier vor Ort.

Eine funktionierende Energiewende lebt nicht von Ankündigungen, sondern von Verlässlichkeit. Nur wenn Regeln Bestand haben, bleiben Investitionen planbar. Und nur dann bleiben Klimaschutz und Energiewende für die Menschen nachvollziehbar – und vor allem bezahlbar.

Bleiben Sie kritisch und vor allem: Bleiben Sie am Netz!

Ihr Christoph Schneider
Geschäftsführer Stadtwerke Hennigsdorf
Energie von hier und Marktgeflüster – unsere Kolumne bringt’s auf den Schirm.

 

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