Moin, liebe Kundinnen und Kunden,
liebe Hennigsdorfer,
manchmal sind die naheliegenden Fragen in der Wärmewende gar nicht so technisch, wie sie zuerst klingen. Eine dieser Fragen lautet: Was machen wir eigentlich mit Wärme, die im Sommer entstehen kann, aber im Winter gebraucht wird?
Genau mit dieser Frage beschäftigen wir uns derzeit im Rahmen der URBAN ARENA, einem Format des Projektträgers Jülich, das innovative Ansätze für saisonale Wärmespeicherung zusammenbringt. Für uns ist das eine besondere Chance, denn die Stadtwerke Hennigsdorf dürfen gemeinsam mit dem GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam untersuchen, ob ein sogenannter Aquifer-Hochtemperaturspeicher für Hennigsdorf eine sinnvolle Lösung sein kann.

Christoph Schneider leitet die Stadtwerke Hennigsdorf – und teilt hier Gedanken aus dem Alltag eines modernen Versorgers: ehrlich, nah dran und mit Blick auf die Zukunftsthemen unserer Branche – von Versorgungssicherheit über Klimaschutz bis zur Digitalisierung.
Wärme speichern – aber wo?
Das Wort ist etwas sperrig, die Grundidee aber gut nachvollziehbar: Ein Aquiferspeicher nutzt wasserführende Gesteinsschichten tief im Untergrund. Wärme, die oberirdisch entsteht, könnte dort eingelagert und später wieder genutzt werden. In Hennigsdorf denken wir dabei zum Beispiel an Wärme aus Biomasse, aus Flusswärme oder auch an industrielle Abwärme aus dem Stahlwerk. Diese Wärme fällt nicht immer genau dann an, wenn sie im Fernwärmenetz gebraucht wird. Im Sommer gibt es eher Überschüsse, im Winter dagegen einen hohen Bedarf. Ein solcher Speicher könnte helfen, diese zeitliche Lücke zu überbrücken.
Liegt die Lösung unter unseren Füßen?
Es geht also nicht darum, irgendwo ein großes neues Bauwerk in die Landschaft zu setzen. Der eigentliche Speicher läge mehrere hundert Meter tief im Erdboden. Vereinfacht gesagt wollen wir herausfinden, ob der Untergrund unter Hennigsdorf dabei helfen kann, Wärme vom Sommer in den Winter zu verschieben.
Das wäre für unser Fernwärmesystem ein wichtiger Schritt. Denn gerade im Winter ist Wärmeerzeugung besonders anspruchsvoll und häufig auch teurer. Die Außentemperaturen sind niedrig, der Bedarf ist hoch, und Erzeugungsanlagen müssen verlässlich Leistung bereitstellen. Wenn wir es schaffen würden, einen Teil der im Sommer verfügbaren Wärme später im Winter zu nutzen, könnten wir teure Wintererzeugung reduzieren und unser Gesamtsystem effizienter machen.
Was genau wird untersucht?
Wichtig ist dabei: Wir treffen mit diesem Projekt noch keine Bauentscheidung. Wir kaufen auch keine Bohranlage und versprechen keinen Speicher, bevor die Grundlagen bekannt sind. Wir wollen zunächst sorgfältig prüfen, ob ein solcher Ansatz für Hennigsdorf überhaupt infrage kommt. Welche geologischen Schichten wären geeignet? Welche Tiefe wäre notwendig? Wie verhält sich das Wasser im Untergrund chemisch? Welche Leistung könnte ein solcher unterirdischer Wspeicher bringen? Welche Genehmigungen wären nötig? Und am Ende natürlich: Kann sich das wirtschaftlich darstellen?
Forschung trifft Stadtwerk
Dass wir diese Fragen gemeinsam mit dem GFZ aus Potsdam untersuchen dürfen, freut uns sehr. Das GFZ beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Aquiferspeichern, Geothermie und der Nutzung des Untergrunds in Verbindung mit Wärme- und Kältesystemen. Für uns als Stadtwerk ist das eine gute Verbindung: Wir kennen unser Wärmenetz, unsere Erzeuger, unsere Kundinnen und Kunden und die Hennigsdorfer Rahmenbedingungen. Das GFZ bringt die wissenschaftliche Tiefe und Erfahrung mit, die man für einen Blick mehrere hundert Meter unter die Stadt braucht.
Auch die URBAN ARENA selbst ist für uns spannend. Insgesamt sind rund 20 Vorhaben in dieser Runde dabei. Bei dem Netzwerktreffen, an dem wir gerade teilgenommen haben, ging es zwei Tage lang um Erfahrungen, Herausforderungen und erste Erkenntnisse. Für uns ist dieser Austausch wichtig, weil wir nicht nur auf unsere eigene Idee schauen wollen, sondern verstehen müssen, welche Lösungen anderswo in Deutschland verfolgt werden.
Warum jetzt?
Das Besondere an diesem Projekt ist auch der Zeitpunkt. Normalerweise werden solche sehr frühen Untersuchungsphasen nicht immer selbstverständlich gefördert. Oft beginnt Förderung erst dann, wenn eine Investition schon sehr konkret wird. Hier ist es anders: Es wird bewusst ermöglicht, eine neue Technologie früh, fundiert und mit Blick auf die Praxis zu prüfen. Das ist aus unserer Sicht genau der richtige Ansatz. Denn gute Entscheidungen entstehen nicht dadurch, dass man möglichst schnell baut, sondern dadurch, dass man rechtzeitig die richtigen Fragen stellt.
Der Zeitplan ist dabei durchaus sportlich. Innerhalb weniger Monate sollen die wesentlichen Grundlagen erarbeitet werden. Nach rund neun Monaten soll eine erste wirtschaftliche Einschätzung vorliegen, ob ein Aquiferspeicher für Hennigsdorf grundsätzlich sinnvoll sein könnte. Das ist effizient, aber auch anspruchsvoll. Gerade deshalb ist es gut, dass wir in einem Forschungsrahmen arbeiten und nicht allein versuchen, solche Fragen nebenbei zu beantworten.
Finanziell ist das Projekt für uns ebenfalls gut darstellbar. Der Gesamtaufwand liegt nach der aktuellen Vorkalkulation bei rund 160.000 Euro. Bei einer Förderquote von 80 Prozent verbleibt bei den Stadtwerken nur ein geringer Anteil. Für eine Untersuchung, die klären kann, ob saisonale Wärmespeicherung ein Baustein unserer Fernwärme-Transformation werden kann, ist das ein überschaubarer und sinnvoller Aufwand.
Natürlich ist damit noch nichts entschieden. Der Untergrund ist kein Planungsblatt, auf dem man sich alles zurechtzeichnet. Hennigsdorf liegt im Norddeutschen Becken, und die geologischen Bedingungen sind von Salzstrukturen und unterschiedlichen Gesteinsschichten geprägt. Genau deshalb brauchen wir eine wissenschaftliche Prüfung. Es kann sein, dass sich der Ansatz bestätigt. Es kann aber auch sein, dass Geologie, Genehmigung, Technik oder Kosten am Ende dagegen sprechen. Beides wäre ein wertvolles Ergebnis, denn beides hilft uns, die nächsten Schritte richtig zu setzen.
Ein Baustein für die Wärmewende
Für unsere Wärmewende bleibt der Gedanke aber wichtig: Klimaneutrale Fernwärme entsteht nicht durch eine einzige Lösung. Wir brauchen viele Bausteine, die gut zusammenspielen. Biomasse, Abwärme, Flusswärme, Wärmepumpen, Speicher, ein stabiles Netz und eine kluge Steuerung gehören dazu. Ein saisonaler Erdwärmespeicher könnte dabei eine besondere Rolle übernehmen, weil er Erzeugung und Verbrauch zeitlich voneinander entkoppelt.
Oder einfacher gesagt: Wenn im Sommer Wärme da ist, sollten wir prüfen, ob wir sie für den Winter aufheben können.
Wir sind froh, dass wir durch schnelles und entschlossenes Handeln Teil dieser URBAN ARENA geworden sind. Für ein kleines Stadtwerk ist es nicht selbstverständlich, in einer solchen Runde mit Forschungseinrichtungen und anderen Projekten aus ganz Deutschland dabei zu sein. Umso mehr freuen wir uns, dass Hennigsdorf hier mit einem eigenen konkreten Thema vertreten ist.
Vielleicht liegt ein Teil unserer künftigen Fernwärme also nicht nur in Heizwerken, Leitungen und Speichern an der Oberfläche. Vielleicht liegt er auch tief unter unseren Füßen.
Bis zum nächsten Mal – bleiben Sie uns gewogen!
Ihr Christoph Schneider
Geschäftsführer Stadtwerke Hennigsdorf
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