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Auf dem Schirm:

Ein Abend im Blackbird – Bundespolitik trifft Praxis

Liebe Hennigsdorferinnen & Hennigsdorfer,

über Wärmenetze, Netzanschlüsse und Energiepolitik kann man in Sitzungsräumen diskutieren. Oder an einem Sommerabend in einer Cocktailbar.

Letzteres war eindeutig die angenehmere Variante. Am 18. August war ich im Hennigsdorfer Blackbird zu Gast beim Energiegespräch der Oberhaveler Bündnisgrünen mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Kellner und Clemens Rostock, Landesvorsitzender von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und übrigens unser Nachbar hier in Hennigsdorf.

Portrait Christoph Schneider

Über den Autor

Christoph Schneider leitet die Stadtwerke Hennigsdorf – und teilt hier Gedanken aus dem Alltag eines modernen Versorgers: ehrlich, nah dran und mit Blick auf die Zukunftsthemen unserer Branche – von Versorgungssicherheit über Klimaschutz bis zur Digitalisierung.

Zwei Sofas, ein gut gefüllter Raum und erstaunlich konkrete Fragen: Viel mehr braucht es manchmal gar nicht für einen guten Austausch. Dass auch der rbb vorbeischaute, hatte ich ehrlich gesagt nicht erwartet.

Wenn aus Politik Praxis wird
Die Stimmung war entspannt, das Gespräch sachlich und das Publikum erstaunlich fachkundig. Da saßen Menschen aus Handwerk, Energiegenossenschaften und Kommunalpolitik – aus Hennigsdorf ebenso wie aus den umliegenden Städten.

Also genau die Menschen, bei denen Energiepolitik irgendwann nicht mehr Schlagzeile ist, sondern Rechnung, Bauantrag oder Terminplan. Und deren Fragen ganz unterschiedlich ausfallen: Wer im Einfamilienhaus über eine Wärmepumpe nachdenkt, schaut anders auf die Energiewende als eine Energiegenossenschaft, die gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern ein Projekt auf die Beine stellen will.

Natürlich ging es auch um Bundes- und Landespolitik. Michael Kellner brachte die Perspektive aus Berlin mit, Clemens Rostock die aus Brandenburg. Für mich wurde es aber besonders interessant, als es ganz praktisch wurde.

Der Handwerker hatte die besten Fragen
Am meisten mitgenommen habe ich aus einem Gespräch, das gar nicht auf dem Podium stattfand. Unter den Gästen war ein selbstständiger Elektriker aus der Region – jemand, der Photovoltaikanlagen installiert, Wallboxen anschließt und deshalb jeden Tag erlebt, was passiert, wenn politische und regulatorische Vorgaben auf die Praxis treffen.

Er sprach nicht über Programme, sondern über das, was seine Kundinnen und Kunden ihm in der Küche erzählen. Über Wartezeiten. Über fertige Anlagen, die nicht ans Netz können. Über Menschen, die nicht mehr wissen, ob sich ihre Entscheidung noch rechnet.

Das war für mich einer der wertvollsten Teile des Abends. Nicht, weil mir diese Probleme unbekannt wären, sondern weil er aus einer anderen Richtung darauf schaut als wir.

Wir sehen ein Netz von oben, in Lastflüssen und Ausbauplänen. Er sieht es von unten, am Zählerschrank in einem Reihenhaus. Beides ist wahr, und beides zusammen ergibt erst das Bild.

Lieber schlecht als ständig neu
An diesem Abend habe ich einen Satz gesagt, der vielleicht erst einmal überrascht:
Mir ist eine schlechte Entscheidung lieber als eine ständig wechselnde.

Das klingt zugespitzt – und ist natürlich kein Plädoyer für schlechte Entscheidungen. Es geht um etwas, das für uns als Stadtwerk enorm wichtig ist: Verlässlichkeit.

Wir treffen Investitionsentscheidungen, die dreißig oder vierzig Jahre tragen müssen. Einen politischen Rahmen, der nicht optimal ist, können wir bewerten. Wir können damit rechnen, planen und arbeiten. Was wir kaum einplanen können, sind Rahmenbedingungen, die sich immer wieder grundlegend ändern.

Sie erinnern sich vielleicht an meine Kolumne im Februar und an den Schiedsrichter, der mitten im Spiel die Regeln ändert. Genau darum geht es. Wer Infrastruktur für Jahrzehnte baut, muss wissen, nach welchen Regeln gespielt wird.

Deshalb habe ich diesen Wunsch an dem Abend ausdrücklich auch an die Gastgeber gerichtet: Wer politische Verantwortung übernimmt, sollte nicht reflexartig alles wieder umdrehen, was zuvor beschlossen wurde.

Was zählt, ist das Ergebnis
Das gilt in beide Richtungen. Nicht alles ist falsch, nur weil es von der jeweils anderen Seite kommt. Entscheidend sollte sein, ob eine Regel sinnvoll ist und in der Praxis funktioniert.

Ein Beispiel ist die Diskussion um Netzanschlüsse. Dass knappe Anschlusskapazitäten nach nachvollziehbaren Kriterien vergeben werden sollen statt allein nach dem Windhundprinzip, halte ich grundsätzlich für richtig. Genauso wenig war alles verkehrt, was die vorherige Bundesregierung auf den Weg gebracht hat.

Für uns ist am Ende ohnehin etwas anderes entscheidend: Was wird tatsächlich beschlossen – und was bedeutet es für Hennigsdorf?

Ein Wärmenetz interessiert sich nicht dafür, welche Partei eine Regel erfunden hat. Wir müssen wissen, was gilt. Dann machen wir unsere Arbeit.

Und über diese Arbeit habe ich an dem Abend natürlich auch gern gesprochen. Über Photovoltaik auf kommunalen Dächern, Batteriespeicher im Stromnetz und darüber, was die kommunale Wärmeplanung für einzelne Quartiere bedeutet.

Natürlich kam auch unser Wärmespeicher zur Sprache – und die Bürgerbeteiligung, mit der wir einen Teil davon finanziert haben. Eine Million Euro, in wenigen Stunden gezeichnet. Ich erzähle das gern, weil es zeigt, dass Beteiligung funktionieren kann, wenn sie konkret wird.

Vieles von dem, was wir tun, sieht man allerdings nicht. Es liegt unter der Straße oder steht hinter einem Zaun. Umso wichtiger sind Gelegenheiten, bei denen wir erklären können, warum ein Wärmenetz nicht in zwei Jahren umgebaut ist – und was dahintersteckt, wenn wir sagen, dass wir unsere Wärmeversorgung bis 2045 klimaneutral gestalten wollen.

Reden wir darüber
Ich bin nicht ins Blackbird gegangen, um einer Partei zuzustimmen oder ihr zu widersprechen. Ich bin hingegangen, weil dort Menschen darüber sprechen wollten, wie Energiepolitik vor Ort wirkt.

Wer wissen möchte, was bei Strom und Wärme in Hennigsdorf passiert, findet in mir einen Gesprächspartner. Das gilt für Parteien ebenso wie für Vereine, Unternehmen oder Nachbarschaftsrunden.

Mein Dank geht an die Oberhaveler Bündnisgrünen für die Einladung, an das Blackbird für die Gastfreundschaft und vor allem an die Gäste, die einen Sommerabend genutzt haben, um über Netze, Wärme und Energiepolitik zu diskutieren.

Denn bei allen unterschiedlichen Perspektiven an diesem Abend war eines ziemlich eindeutig: Es gibt genug zu besprechen.

Bleiben Sie neugierig und vor allem: Bleiben Sie am Netz!

Ihr Christoph Schneider
Geschäftsführer Stadtwerke Hennigsdorf
Energie von hier und Marktgeflüster – unsere Kolumne bringt’s auf den Schirm.

Bildquelle: Susanne Grätsch  (v.l.n.r. Michael Kellner, Clemens Rostock, Christoph Schneider)

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